Es war auf einer Geburtstagsfeier, kein professioneller Kontext. Ich unterhielt mich mit jemandem, den ich zum zweiten Mal traf. Er erzählte von einem Vortrag, den er gehalten hatte. Gutes Feedback, voller Raum, die Leute aufmerksam.

„Aber ich war danach total fertig", sagte er. „Ich hab noch auf dem Weg nach Hause angefangen, alles durchzugehen, was ich hätte besser machen können. Der schlechte Witz in der Mitte. Die Folie, die nicht richtig geladen hat. Das Beispiel, das niemanden gepackt hat."

Er lachte dabei, ein bisschen. Aber er meinte es ernst.

„Das mache ich nach fast allem."

Der innere Kritiker ist vielen vertraut. Die Stimme, die nach Fehlern sucht. Die das Gelungene übersieht und das Misslungene vergrößert. Die auch dann nicht aufhört, wenn andere längst zufrieden sind.

Was man weniger hört: Diese Stimme ist nicht dein Feind.

Der innere Kritiker entsteht nicht aus Bosheit. Er entsteht aus Angst. Genauer: aus dem Versuch, eine bestimmte Art von Schmerz zu verhindern. Wenn man gelernt hat, dass Kritik von außen kommt, unerwartet, unangekündigt und verletzend, dann ist es klüger, sie vorwegzunehmen. Sich selbst zuerst zu kritisieren bedeutet: Man ist vorbereitet. Man wird nicht überrascht.

Das ist ein Schutzmechanismus. Kein eleganter, aber ein nachvollziehbarer.

Das Problem ist, dass der Kritiker nicht zwischen Situationen unterscheidet. Er ist da nach dem gelungenen Vortrag. Nach dem guten Gespräch. Nach dem Urlaub. Er sucht immer etwas, weil sein Job nicht ist, die Wahrheit zu sagen, sondern sicher zu bleiben.

Wer den inneren Kritiker bekämpft oder versucht, ihn zu ignorieren, wird merken, dass das nicht funktioniert. Er wird lauter, wenn man ihn unterdrückt. Er meldet sich nachts, wenn man keine Ablenkung mehr hat.

Was hilft, ist weniger Bekämpfung als Verstehen. Was will diese Stimme verhindern? Wovor schützt sie? Was hat sie irgendwann erlebt, das sie so vorsichtig gemacht hat?

Man muss der Kritik nicht glauben, um die Stimme zu hören. Man kann sie hören und fragen: Was fürchtest du gerade?

Wie eng der innere Kritiker mit Mustern der Selbstsabotage zusammenhängt, weil er oft der erste Schritt ist, der größere Schritte verhindert: Warum wir uns selbst sabotieren.

Wenn du erkennst, dass diese Stimme bei dir sehr laut ist: Gespräch buchen

Der Mann auf der Geburtstagsfeier und ich haben nicht lange darüber geredet. Irgendwann kam jemand dazu, das Gespräch wechselte.

Aber er hatte vorher noch etwas gesagt, fast nebenbei: „Komisch, oder? Der Abend war eigentlich richtig gut."

Genau. Und irgendetwas in ihm wusste das.